Wie ich meine Liebe zum Russischen fand

von Anja Eckert

Ich kann gar nicht sagen, woher meine Liebe zum Russischen kommt oder wann und wo sie genau angefangen hat. Eins kann ich mit Sicherheit sagen. Sie hat nicht in Russland begonnen, denn da war ich eigentlich nur einmal ganz kurz. Zurück zum Anfang.

Ich wuchs in der ehemaligen DDR auf, genauer gesagt an der innerdeutschen Grenze, wo damals sowjetische Soldaten stationiert waren. Bis auf dass man sie ab und zu auf der Straße sah, gab es kaum Berührungspunkte mit ihnen. Bei mir lag es etwas anders. Mein Vater dolmetschte ehrenamtlich für sowjetische Offiziere. Er konnte ganz gut Russisch, obwohl er eigentlich Mathe-Physik-Lehrer war. Er nahm mich manchmal mit in die Garnison. So hörte ich in meinem noch sehr jungen Leben viel Russisch.

Ein paar Jahre später begann der verpflichtende Russisch-Unterricht in der Schule. Mein Interesse an dieser Sprache vermochte die Schule nicht zu wecken, denn der Schulstoff war ideologisch geprägt.

Dass ich dann an der Universität wieder mir Russisch-Unterricht anfing, war mehr einem Zufall geschuldet. Meine Schwester meldete mich ungefragt zu einem gemeinsamen Auffrischungskurs in den Ferien an. Das war dann auch das erste Mal, dass ich von einer Muttersprachlerin unterrichtet wurde. Es tat sich eine neue Welt für mich auf. Von diesem Moment an besuchte ich regelmäßig Sprachkurse an der Uni.

Hier und da begegnete ich auch Kommilitonen mit Wurzeln in Russland oder der ehemaligen Sowjetunion. Im Rahmen meines Studienhauptfaches (Politikwissenschaft) besuchte ich Veranstaltungen zur Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen. Meine Abschlussarbeit schrieb ich über die Russlandpolitik der EU am Fallbeispiel Kaliningrads. Es war eine Zeit des Aufbruchs, verbunden mit der Hoffnung, die Beziehungen zwischen Deutschland bzw. der EU und Russland zu intensivieren. Trotz der aktuellen sehr bedauerlichen Entwicklungen halte ich an dieser Vision fest, denn Frieden kann es nur mit Annäherung, gegenseitiger Wertschätzung und Institutionalisierung der Beziehungen geben.

Später begegnete ich an meinen Wohnorten immer auch Russisch-Sprachigen. In meinen Jahren in Frankfurt war mein Leben und das meiner Kinder sehr von russischen Einflüssen geprägt, sei es in der deutsch-russischen Kita, in die meine Tochter ein paar Jahre ging, sei es durch die russische Ballettlehrerin und die russische Klavierlehrerin meiner anderen Tochter. In diesen Sphären genossen meine Kinder nicht nur eine fantastische Bildung, es entstanden auch tolle Freundschaften. Die meisten davon haben unsere Abwesenheit durch einen sechsjährigen Aufenthalt in Belgien überdauert. Als meine Tochter dort schwer erkrankte und ihre ehemalige Ballettlehrerin aus Deutschland davon erfuhr, kam sie ein Wochenende später, um ihre ehemalige Schülerin zu besuchen, obwohl wir zuvor nur eine professionelle Beziehung zu ihr hatten. Das ist diese unglaubliche russische Seele, derer man in solchen Augenblicken gewahr wird.

Neben der Liebe zur russischen Mentalität schätze ich auch sehr russische Literatur und Musik, obwohl ich mich zugegebenermaßen mit Dostojewski etwas schwer tue. Es gibt immer wieder Neues für mich zu entdecken, im Moment das Werk des Komponisten Anton Arensky.

Und um es nicht zu vergessen: in Moskau bin ich dann auch mal gewesen, im Rahmen einer Dienstreise meines Mannes. Eine russische Freundin in Deutschland hatte mir dort sogar einen Kontakt vermittelt, um diese Stadt etwas privater kennenzulernen. Leider bin ich dort gleich nach Ankunft krank geworden, sodass aus diesem Treffen nichts wurde. Immerhin konnte ich meine Russisch-Kenntnisse in der Apotheke anwenden.

Mittlerweile lebe ich wieder in Deutschland und zu den bestehenden Freundschaften zu Russen gesellen sich neue. An meinen Sprachkenntnissen versuche ich, mal mehr, mal weniger fleißig zu arbeiten. Ich träume davon, eines Tages flüssig und einigermaßen fehlerfrei Russisch sprechen und Reisen nach Russland realisieren zu können.

Foto: pixabay.com

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